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Vase...

Sonnenblumenbild

Sonnenblumenbild
Inventar-Nr.: 2021:299

Gelber Tellerschlitten mit Donald Duck am Griff.

Tellerschlitten

Inventar-Nr.: 2012:134
Objektbezeichnung: Schlitten

Weiße Keramiktoilette vor grauem Hintergrund.

Toilette

Inventar-Nr.: 2016:28
Objektbezeichnung: Klosettschüssel

Deckel des Spiels die kleine Putzmacherin.

Die kleine Putzmacherin

Inventar-Nr.: 2010:774
Objektbezeichnung: Gesellschaftsspiel

Kleine Karte mit Aufdruck.

Lebensmittel-Bezugsmarke

Inventar-Nr.: 1997:2601
Objektbezeichnung: Bezugsschein

Schwarzes Brautkleid.

Brautkleid

Inventar-Nr.: 2004:920.1
Objektbezeichnung: Hochzeitskleid

Rasierklingenschärfer zum Nachschärfen von Rasierklingen.

Rasierklingenschärfer

Inventar-Nr.: 1985:2437.1
Objektbezeichnung: Abziehgerät

Dezimalwaage zum Auswiegen landwirtschaftlicher Produkte.

Dezimalwaage

Inventar-Nr.: 1993:828
Objektbezeichnung: Dezimalwaage

Präparierter Kopf eines toten Rehbocks.

Jagdtrophäe

Inventar-Nr.: 1995:726
Objektbezeichnung: Tierpräparat

50 Jahre 50 Objekte

Als kleiner Vorgeschmack auf die geplante Onlinestellung der Sammlung in 2022 zeigt das Museum einen Einblick in die Geschichte der Sammlung der letzten 50 Jahre. Begonnen mit dem Eröffnungsjahr 1971 bis ins Jubiläumsjahr 2021 überrrascht die Auswahl mit einem Querschnitt, der die Vielfalt der Sammlung widerspiegelt.

50 Jahre 50 Objekte

Bild mit Sonnenblumen

Inventar-Nr.: 2021:299
Objektbezeichnung: Gemälde         
Datierung: 1950er Jahre        
Maße (cm): 59,5 H x 74,4 B      
Material: Holz, Leinwand, Metall, Ölfarbe         

 

Das Haus Stöcker aus Burgholdinghausen (Kreis Siegen-Wittgenstein) ist das jüngste Aufbauprojekt des Freilichtmuseums und wird 2021 eröffnet. Das Fachwerkhaus von 1797 wird im Zustand der Zeit um 1960 eingerichtet, als dort Familie Stöcker lebte. Damit halten die 1960er Jahre Einzug im Museum und zwar in der Baugruppe „Siegerländer Weiler“. Hier steht bereits die Tankstelle aus Siegen-Niederschelden (Baujahr 1951) und in naher Zukunft soll hier auch ein Bungalow aufgebaut werden.

Bei der Einrichtung des Hauses können viele Originalobjekte genutzt werden, die von Familie Stöcker als den früheren Bewohnern übernommen werden konnten. Interviews mit Annette Stöcker selbst halfen bei der Einrichtung des Hauses – gezeigt wird die Inszenierung eines Tages Ende der 1950er Jahre. Auf den Familienfotos sind viele Gegenstände zu erkennen, so auch das Bild mit den Sonnenblumen, dass 2021 in die Sammlung übernommen werden konnte. Aktuell wird es gereinigt und restauriert, um demnächst wieder an seinem angestammten Platz in der Stube zu hängen.

Blaue Vase mit Sonnenblumen.

Scherenschnittporträts

Inventar-Nr.: 2020:301
Objektbezeichnung: Scherenschnitt
Datierung: 1805
Maße (cm): 48 H x 57 B         
Material: Papier, Karton, Holz, Glas

Ein seltenes Zeugnis westfälischer Familiengeschichte aus der Zeit um 1800 fand 2020 seinen Weg in die Sammlung des Freilichtmuseums: Zehn ovale, kunstvoll gestaltete Silhouettenporträts aus dem Jahre 1805, angeordnet auf türkisgrünem Papier, zeigen die wohlhabende Müllerfamilie Baumeister aus Deppendorf bei Bielefeld. Es handelt sich um ein Werk des bekannten „Silhouetteurs“ (Scherenschneiders) Caspar Dilly (1767-1841) aus Bonn, der als wandernder Künstler in ganz Nordwestdeutschland unterwegs war. Zu dem Konvolut, das das Museum aus Familienbesitz übernommen hat, gehören eine 1756 in Lemgo gedruckte Bibel mit handschriftlichen Einträgen zu Namen und Lebensdaten der dargestellten Familienmitglieder sowie zwei Grabsteine des auf dem Scherenschnitt abgebildeten Ehepaares und eines der Söhne.

Individuelle Bildzeugnisse und dazu passende schriftliche Dokumente oder Grabdenkmäler von ländlichen Familien in Westfalen aus der Zeit um 1800 sind ausgesprochen selten. Daher ist das Scherenschnittbild der Familie Baumeister eine wertvolle Bereicherung der Sammlung des Freilichtmuseums.

Zwei Männer halten den Scherenschnitt und präsentieren ihn für die Kamera.

Blaker (Wandleuchter)

Inventar-Nr.: 2019:30
Objektbezeichnung: Wandleuchter
Datierung: 17./18. Jahrhundert
Maße (cm): 70 H x 40 B
Material: Messing

Der sogenannte Danziger Blaker, ein zweiteiliger Wandleuchter aus Messing mit zwei Kerzenhaltern, ist im 2020 neu eingerichteten Münsterländer Gräftenhof des Freilichtmuseums zu sehen. Das Licht der beiden brennenden Kerzen wurde von der blank polierten Reflektorfläche im Raum verbreitet, damit war der Leuchter eine angenehme Lichtquelle. Rückseitig ist eine aufgelötete Firmenplakette von "Moritz Stumpf & Sohn, Danzig" zu finden. Die Firma war von 1804 bis ca. 1924 in Danzig tätig. Dieser Juwelier war vermutlich der Hersteller des Leuchters oder hat eine Umarbeitung durchgeführt.   

Goldene Platte mit einer Halterung für Kerzen. Die Ränder sind mit kleinne Ornamenten verziert.

Esstisch Sitzecke

Inventar-Nr.: 2018:1
Objektbezeichnung: Sitzecke (Eckbank, Tisch, Stühle)
Datierung: 1950er Jahre
Material: Holz, Kunststoff

Über einen Sammlungsaufruf zu den 1960er-Jahren kam diese zeittypische Einrichtung einer Essecke in der Küche ins Freilichtmuseum. Die Möbel sind aus massivem Holz und Spanplatten gefertigt und farbig lackiert bzw. mit Kunststoff beschichtet. Beliebt waren Pastellfarben wie Hellblau, -grün oder Rosa in Kombination mit Schwarz oder Weiß. Die Sitzecke in der Küche, bestehend aus einer Eckbank, einem Tisch und zwei Stühlen, war ein zentraler Treffpunkt in vielen Familien. Hier fanden die gemeinsamen Mahlzeiten statt und oft machten die Kinder hier ihre Schularbeiten.

Das Familienleben war in den 1960er Jahren noch stark hierarchisch geprägt. Meist saß der Vater am Küchentisch vor Kopf. Er eröffnete das gemeinsame Essen und beendete es auch, in religiösen Familien sprach er ein Tischgebet. Gegen Ende des Jahrzehnts brachen die hierarchischen Strukturen auch im Familienleben immer mehr auf. Das lag nicht zuletzt an den sogenannten langhaarigen und aufmüpfigen Jugendlichen, die sich nichts mehr gefallen lassen wollten. Auch die Rolle der Frau veränderte sich allmählich. Die Zahl der berufstätigen Frauen stieg, dennoch blieb die Erledigung der Hausarbeit selbstverständlich Frauensache.

Eine hellblaue Sitzecke als Ausstellungsstück in einem historischen Flett.

Peitsche

Inventar-Nr.: 2017:13
Objektbezeichnung: Peitsche
Datierung: 1970er Jahre
Maße (cm): 40 L x 3 D     
Material: Leder, Holz, Metall

2017 hat das Freilichtmuseum dazu aufgerufen, Objekte zu eigenen Kindheitserinnerungen einzureichen; diese wurden in der Sonderausstellung „Ene, mene, muh“ gezeigt. Neben vielen schönen Erinnerungen wurde auch diese Peitsche eingereicht, die stellvertretend für die schlechten Momente, für Gewalt in der Erziehung steht. Noch bis in die 1970er Jahre wurden Gegenstände wie Ledergürtel oder diese Peitsche in der Erziehung zur „körperlichen Züchtigung“ genutzt. Das Schlagen von Kindern ist seit dem Jahr 2000 durch das „Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ verboten. Für den Stifter der sogenannten Klopppeitsche, mit der er als Kind geschlagen worden ist, war die Abgabe an das Museum eine Erleichterung.

Peitsche mit drei Lederriemen.

Toilette

Inventar-Nr.: 2016: 28
Objektbezeichnung: Klosettschüssel
Datierung : 1977
Maße (cm): 40 H x 35 B x 48 T    
Material: Keramik

„Scheiße sagt man nicht“, oder doch? 2016 hat das Museum das „stille Örtchen“ zum Thema gemacht und in einer Sonderausstellung die Geschichte der Toilette vom Plumpsklo bis zur „Popodusche“ präsentiert. Er ist intim und gleichzeitig alltäglich: der Gang zur Toilette. Beim täglichen „Geschäft“ spielen persönliche Vorstellungen von Scham, Ekel und Intimität eine große Rolle. Die Sonderausstellung im Paderborner Dorf war wie eine öffentliche Toilette gestaltet: mit gefliesten Wänden und jeder Menge „Klo-Graffiti”. Besucher:innen erfuhren sowohl dort als auch anhand verschiedener Installationen im Gelände Näheres über die Geschichte des „stillen Örtchens“, der Hygiene und mancherlei Unausgesprochenes über das Klo.

Passend dazu wurden 2016 verschiedene Objekte übernommen über die man nicht gerne spricht, die aber zum Alltag dazugehören. Diese frühe WC-Schüssel stammt aus einem 1898 erbauten Haus am Rand von Detmold. Das Gebäude wurde in den 1960er Jahren mit einem  damals modernen Bad mit Badewanne und Badeofen versehen. Die Toilette befand sich, zunächst noch als Plumpsklo, in einem kleinen separaten Anbau mit Elektroheizer. Ein modernes WC mit Wasserspülung wurde erst Ende der 1970er Jahre eingesetzt.

Weiße Keramiksschüssel vor grauem Hintergrund.

Reservistenbild

Inventar-Nr.: 2015:10
Objektbezeichnung: Stickbild
Datierung: 1910
Maße (cm): 10 H x 64 B x 4 T      
Material: Stickgarn, Karton, Fotopapier, Glas, Metall, Holz, Papier

Das Reservistenandenken von H. Golücke stammt aus seiner Militärdienstzeit, die er in den Jahren 1908 bis 1910 in China verbrachte. Er war als Matrose auf der S.M.S. Scharnhorst, einem Panzerkreuzer der kaiserlichen Marine, ab dem 29. September 1909 Flaggschiff des deutschen Kreuzgeschwaders in Ostasien. Stickbilder waren weit verbreitet, aber auch ein beliebtes Mitbringsel aus dem asiatischen Raum, wo sich schon früh ein spezieller Markt dafür in den Hafenstädten entwickelt hatte. Kiautschau war ein deutsches „Pachtgebiet“ in China, die Hauptstadt Tsingtau war zugleich ein Flottenstützpunkt für die deutsche Marine. Über die Familiengeschichte und offizielle Eintragungen im Archiv der Bundeswehr konnten wir den Weg des Matrosen HGolücke genau nachverfolgen. Bis 2015 hing das Bild im Wohnzimmer seiner Familie in einem lippischen Dorf und wurde schließlich von seinen Nachfahren an das Museum übergeben.

Gesticktes Bild im Holzrahmen.

DKW Junior

Inventar-Nr.: 2014:82
Objektbezeichnung: Personenkraftwagen
Datierung: 1963 
Material: Metall, Kunststoff, Glas, Gummi

„Hellblauer DKW Junior De Luxe, Baujahr: 17.05.1963, Laufleistung: 34000 km. Zustand: perfekter Zustand, fachmännisch restauriert mit Originalteilen und in Auslieferungs-/Werkszustand gebracht. Neulackierung im Originalton, unverbastelt (= alle verwendeten Teile kommen von DKW), TÜV vorhanden und fahrtauglich.“

Was hier klingt wie eine Autoanzeige ist die Beschreibung eines Oldtimers, der heute an der Tankstelle aus Siegen-Niederschelden im Gelände des Freilichtmuseums zu bewundern ist. Bei der Eröffnung der Tankstelle 2013 wurde das Auto noch von prominenten Gästen wie Ingolf Lück gefahren. 2016 wurde der DKW für die Sonderausstellung „Raus aus dem Spießerglück“ zu einem Symbol für die „Massenmotorisierung“, eine neu gewonnene Mobilität für viele in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute ist der DKW still gelegt und während der Saison an der Tankstelle zu sehen.

 

Forntanischt eines blauen DKW. Im Hintergrund sind die Umrisse einer Tankstelle erkennbar.

Lucky Charm

Inventar-Nr.: 2013:265.1
Objektbezeichnung: Armkette
Datierung: 2013
Maße (cm): 3 B x 1 T x 19 L         
Material: Metall, Stahl

Silberfarbene Armkette mit sechs Anhängern: Schloss mit Schlüssel, Glücksklee, Herz, Sparschwein, Hufeisen und Marienkäfer. Die Anhänger sind Symbole für Glück, Liebe und Sicherheit. Zu sehen war das Objekt in der Ausstellung zum Themenjahr 2013: "Verflixt! Geister, Hexen und Dämonen“. Im Mittelpunkt stand das Thema Aberglaube und Besucher:innen konnten entdecken, dass sich die Motive für den Glauben an Übersinnliches heute gar nicht so sehr von denen unserer Vorfahren unterscheiden.

Armband mit kleinen Glücksanhängern in einer Schachtel.

Tellerschlitten

Inventar-Nr.: 2012:134
Objektbezeichnung: Schlitten
Datierung: 1999
Maße (cm): 49 H x 34 B
Material: Kunststoff

Dieser Tellerschlitten, auch "Poporutscher" genannt, wird zum Rodeln benutzt. Der goldfarbene Schlitten besteht aus dem namengebenden Teller aus Hartplastik und dem zwischen den Beinen eingeklemmten Handgriff. Als einziges gestalterisches Element fällt der Mittelsteg zwischen den beiden Handschlaufen ins Auge. Er zeigt einen als Relief angedeuteten Kopf der Comicfigur Donald Duck. Das CE-Kennzeichen "8/1999" datiert den Schlitten auf den Produktionsmonat August 1999.

Gelber Tellerschlitten mit Donald Duck Figur am Griff.

Fotografie der Sennerstute „Hertha“

Inventar-Nr.: 2011:151
Objektbezeichnung: Bromsilberfoto
Datierung: 1865
Maße (cm): 14,7 H x 19 B
Material: Papier

Die Geschichte der Senner Pferde ist eng mit der Geschichte der lippischen Fürsten und des Museums verbunden. 1160 werden die „wilden Pferde in der Senne“ erstmals urkundlich erwähnt. Spätestens seit dem frühen 18. Jahrhundert wurden so genannte Mutterstuten- und Hengstregister geführt. Anhand dieser Register, die im Landesarchiv NRW, Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold erhalten geblieben sind, kann man noch heute die Vorfahren jedes Senner Pferdes bis auf vier Stammstuten im 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie trugen die Namen Dohna, Emelgen, Extere und Stallmeister und nach ihnen sind die vier Abstammungslinien aller heutigen Senner Pferde benannt. Die auf Karton kaschierte Fotografie der Sennerstute „Hertha“ von 1865 gehört zu einer Reihe von Sennerbildern, die in der Sammlung des Freilichtmuseums zu finden sind.

In der ehemaligen Fasanerie, die bis 1936 die Außenstelle des Sennergestüts im Tiergarten beherbergte, befindet sich eine Dauerausstellung zur Geschichte der Senner Pferde. Hier können die Besucherinnen und Besucher diese fast 300-jährige Abstammungsgeschichte der Senner am Beispiel der Stute Odette nachvollziehen, die 2009 im Freilichtmuseum geboren wurde.

Gezeichnete Stute mit der Bildunterschrift "Hertha".

Die kleine Putzmacherin

Inventar-Nr.: 2010:774
Objektbezeichnung: Gesellschaftsspiel
Datierung: um 1900
Maße (cm): 5,5 H x 28 B x 39 L   
Material: Faser/Gewebe, Metall, Papier, Pappe, Stroh

"Die kleine Putzmacherin" ist ein Kinderspiel der Zeit um 1900, um junge Mädchen an die Handarbeit heranzuführen. Das Deckelbild im Jugendstil gehalten, es zeigt eine Interieurszene mit vier jungen Mädchen beim Gestalten von Hüten für ihre Porzellankopfpuppen unter Anleitung der Haushälterin. Im Innern ist ein gefüllter Kasten mit allerlei Materialien zum Gestalten von Puppenhüten und Hauben, einem Schnittbogen zur „kleinen Putzmacherin“, Anleitungen für „Helgoländer Häubchen“, Stoffhütchen, Kragen aus Seidenstoff, Matrosenmützen und Spitzenkragen. Eine Stickvorlage und ein Strohhut sind ebenfalls vorhanden. Für die Bearbeitung gibt es diverses Handarbeitszubehör: verschiedene Stoffe, Tüllspitzen etc., Bänder und Schleifen aus Samt und Seide, sowie Blumen. Damit können Hüte für Puppen, aber auch für die Mädchen selbst dekoriert werden.

Deckel des Spiels die Putzmacherin. In der Mitte steh eine Gouvernante umgeben von Kindern.

Fensterbierscheibe

Inventar-Nr.: 2009:426
Objektbezeichnung: Stifterscheibe
Datierung: 17. Jahrhundert, neu gerahmt 1910
Maße (cm): 39 H x 23 B x 0,5 T
Material: Glas, Blei, Holz

Neben der Zufuhr von Licht und Luft sowie dem Schutz vor Wind und Wetter erfüllten Fenster auch repräsentative Zwecke, wie dieser Engel mit Posaune aus einer Türverglasung. Bereits 1997 präsentierte das Museum in der Sonderausstellung „Wappen, Reiter, fromme Sprüche. Bemalte Fensterscheiben in Westfalen“ zahlreiche sogenannte Stifterscheiben, die in der Vergangenheit von Verwandten und Nachbarn zu unterschiedlichen Anlässen gestiftet wurden. Ein häufiger Anlass war das „Fensterbier“, ein Fest zur Hauseinweihung, wenn die Fenster fertig verglast waren. Darum heißen diese bemalten Scheiben auch „Fensterbierscheiben“. Heute sind einige dieser Scheiben im Münsterländer Gräftenhof zu sehen. Sie stammen aus dem Nachlass eines Gymnasialprofessors, der die wertvollen Glasscheiben um 1900 mit feinem Gespür zusammengetragen hatte. Die Sammlung umfasst acht bleiverglaste Fensterrahmen, die je drei Glasmalereien aus dem 17. Jahrhundert aufweisen. Mit neutralen, teilweise grünfarbenen Scheiben kombiniert und in hölzernen Rahmen verglast, blieb die ursprüngliche Komposition nicht immer erhalten. Abgebildet sind verschiedene Wappen, Hausmarken oder auch Figuren von Reitern, Bauern, Fabeltieren, Engeln oder Heiligen, teilweise versehen mit inschriftlichen Datierungen und den Namen der Stifter.

Engel mit Flügeln und Posaune auf Glas.

Hundekekse

Inventar-Nr.: 2008:2588
Objektbezeichnung: Hundefutter
Datierung: 2008
Maße (cm): 29,0 H x 24,0 B x 15,0 T         
Material: Kunststoff, Papier, Pappe

Diese Verpackung enthält Hundefutter, genauer gesagt: Weihnachtsgebäck für Hunde. Der „Happy Christmas Snack“ des Herstellers Schecker GmbH, Südbrookmerland in der 200-Gramm-Tüte ist eine Mischung aus bunt gefärbten Keksen in Stern-, Mond- und Herzform und ist in einem Papptannenbaum verpackt.
Dass der Hund des Menschen bester Freund ist, ist landläufig bekannt. Dass er als solcher auch kulinarisch verwöhnt und in den Genuss von Weihnachtsplätzchen kommen darf, ist aber eher ein Phänomen unserer gegenwärtigen Wohlstandsgesellschaft. Ein Blick in eine Internetsuchmaschine zeigt: So mancher Hundehalter widmet seinem Vierbeiner einen eigenen Blog. Hier wird das gemeinsame Leben mit dem Tier dokumentiert, man tauscht sich mit Gleichgesinnten aus und lässt es sich auch nicht nehmen, ihm zu Weihnachten gesundes, aber sehr schmackhaftes Gebäck anzubieten. Kurz gesagt: Der Hund ist inzwischen mehr als der Hüter von Haus und Hof, sondern wird als ein gleichwertiges Familienmitglied betrachtet.
Damit erklärt sich auch, warum sich dieses etwas unkonventionelle Objekt neben Jahrhunderte alten Möbeln und anderen traditionsreichen Gegenständen in die Sammlung des Museums einreihen darf: Das Hundegebäck wird zu einem Repräsentanten der modernen Beziehung zwischen Mensch und Haustier.

Bunte Kekse in weihnachtlichen Formen, verpackt in einer Tüte in Tannenbaumform.

Babystrampelanzug

Inventar-Nr.: 2007:156
Objektbezeichnung: Babystrampelanzug
Datierung: 1962
Maße (cm): 65,0 L x 20,0 B       
Material: Baumwolle, Faser/Gewebe

Dieser Babystrampelanzug aus dem Jahr 1962 ergänzte 2007 die umfangreiche textile Sammlung des Museums. Zunächst einmal fällt er nicht besonders auf, betrachtet man ihn dann aber genau, lassen sich interessante Dinge ablesen: Das weiche Baumwollmaterial ist auf der Haut besonders angenehm, die angestrickten Socken halten die Füße warm und runde „Bommel“ schmücken den kleinen Anzug zusätzlich.
Er wurde, wie die zartpastelligen Farben gelb und rosa vermuten lassen, von einem Mädchen getragen und zeigt durch die schöne, zierliche Strickarbeit des Textils, wieviel Arbeit und Liebe in seine Herstellung geflossen sein müssen. So lässt es sich auch erklären, wieso das fast 60 Jahre alte Kleidungsstück in solch einem guten und gepflegten Zustand ist.
Besonders die fachgerechte Lagerung von Textilien im Depot ist besonders wichtig, da Schäden durch falsche Lagerung (Liegekanten) und Licht (Ausbleichen) sowie durch Schadinsekten (Motten) nicht repariert werden können.

Weißer Babystrampelanzug mit Bommel.

Taufpatenbrief

Inventar-Nr.: 2006:33
Objektbezeichnung: Patenbrief/Taufandenken
Datierung: 1800-1850
Maße (cm) : 15,0 H x 15,0 B               
Material : Papier

Der Taufpatenbrief ist als persönliches Taufandenken wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Dieser Brief, vermutlich aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, liegt als kolorierte Radierung vor. Auf der Vorderseite ist mittig eine Taufszene in einer Kirche dargestellt, die ergänzt wird durch florale Elemente und die Mahnung „Dein Leben lang habe Gott vor Augen und im Herzen“. Rundherum finden sich die Tugenden „dulde, hoffe, liebe, glaube“ und die vier Evangelisten wieder.
Im Christentum gilt die Taufe als Initiationsritus, als Aufnahme in die Gemeinschaft mit Jesus, in die christliche Gemeinde. Da die Kindersterblichkeit vor 200 Jahren weitaus größer war als heute und der Glaube vorherrschte, dass nur ein getaufter Mensch „in den Himmel kommt“, also das ewige Leben nach dem Tod erreichen würde, lagen meist nur wenige Tage zwischen Geburt und Taufe eines Kindes.

Brief mit colorierter Abbildung auf der Vorderseite.

Flachsschwingmaschine

Inventar-Nr.: 2005:27
Objektbezeichnung: Flachsschwingmaschine
Datierung: 1860 bis: 1900
Maße (cm): 144,0 H x 133,0 B x 110,0 T 
Material: Eiche, Eisen

60 % Baumwolle, 40 % Polyester – wer kennt sie nicht, die kleinen Schildchen an einem Kleidungsstück, die auf die Zusammensetzung des Materials hinweisen. Lange bevor an Kunstfasern zu denken war, bestanden Textilien hierzulande meist aus Baumwolle oder Leinen. Vom Flachsanbau bis zur Leinenherstellung war es ein langer Weg und jedes technische Hilfsmittel bildete eine große Arbeitserleichterung. Mithilfe dieser Flachsschwingmaschine wurden die wertvollen Flachsfasern von den hölzernen Stängelresten befreit und für den nächsten Arbeitsschritt, dem Hecheln, vorbereitet. Hierbei wurde der Flachsbast, der beim Schwingen gewonnen wurde, zu Fasern gespalten. Die kurzen Flachsfasern wurden entfernt und die langen gleichzeitig ausgekämmt und geordnet. Bis die Fasern schließlich zu Garn gesponnen und zu Leinen gewebt werden konnten, folgten weitere Arbeitsschritte.
Diese Maschine ist übrigens die Weiterentwicklung des Schwingbocks, der eher in kleineren Haushalten eingesetzt wurde, während diese Maschine mit ihrer höheren Leistung größere Mengen Flachs bearbeitete. Die hölzerne Maschine mit Eisenteilen wurde mit einer Handkurbel angetrieben; die rotierenden „Schwingmesser“ aus Holz schlugen die Stängelbestandteile von den Flachsfasern ab.

Hölzernes Arbeitsgerät.

Brautkleid

Inventar-Nr.: 2004:920.1
Objektbezeichnung: Hochzeitskleid
Material: Faser/Gewebe

Ein weißes Brautkleid ist heutzutage selbstverständlich, setzte sich jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts in vornehmen Kreisen durch. Frauen in ländlichen Gebieten und aus schlechter situierten Kreisen trugen sogar bis in das 20. Jahrhundert Tracht oder ein festliches schwarzes Kleid. Nicht selten wurde das Kleid später umgenäht und zu diversen Anlässen getragen, begleitete seine Besitzerin so ein Leben lang. Über ein anderes schwarzes Brautkleid wissen wir, dass seine Besitzerin es auch am Tag ihrer Goldenen Hochzeit trug. 
Der Erzählung nach war das dreiteilige Kleid im Stil der Zeit um 1890 aus gemustertem Seidenatlas ein Geschenk einer Adligen an den Hauslehrer, dessen Schwiegertochter es 1910 zu ihrer Hochzeit trug. Überreicht wurde es an das Museum durch die Enkeltochter der Trägerin – fast 100 Jahre nach seinem „Einsatz“.

Schwarzes, dreiteiliges Brautkleid.

Brautwagen

Inventar-Nr.: 2003:8
Objektbezeichnung: Brautwagen
Datierung: 1870-1900
Maße (cm): 150,0 H x 174,0 B x 430,0 T     
Material: Holz, Metall, Eisen

Der Brautwagen war in der Regel ein geschmückter Leiterwagen, auf dem die Aussteuer oder Mitgift der Braut von ihrem elterlichen Hof oder Haus zu dem des Bräutigams transportiert wurde. Die Bräuche rund um den Brautwagen variieren von Gemeinde zu Gemeinde und waren auch abhängig von der Größe des Hofes und dem sozialen Stand der Brautleute. Vor der Hochzeit wurde zwischen den Eltern von Braut und Bräutigam der „Brautschatz“, die Mitgift oder Aussteuer, ausgehandelt. In der frühen Neuzeit war der Umfang des Brautschatzes – abhängig von der Hofgröße – durch Verordnungen genau geregelt. Wichtige Positionen des Brautschatzes waren Saatgetreide, Großvieh (Pferde, Kühe), ein Ehrenkleid (Brautkleid, Festkleid), Möbel, Geschirr, Besteck (Silber, Zinn) und Textilien (Leinen, Baumwolle). Davon wurden vor allem Möbel, Hausrat und Textilien auf dem Brautwagen transportiert, was zugleich eine Demonstration von Reichtum in der Dorfgemeinschaft war. Auch Männer, die auf einem anderen Hof einheirateten, brachten einen Brautschatz mit in die Ehe.
Dieser Wagen stammte vom größten und reichsten Hof der Gemeinde Senne bei Bielefeld, wurde aber nicht in dieser Region hergestellt. Bis ca. 1900 kamen Wanderhandwerker aus Thüringen, Bayern und Württemberg, die ihr Handwerk besonders gut verstanden und auf diese Weise den großen, mit Zierflechten (verzierten Seitenteilen) geschmückten Wagen nach Ostwestfalen brachten.

 

Blauer hölzerner Transportwagen.

Kastenbild

Inventar-Nr.: 2002:83
Objektbezeichnung: Kastenbild
Datierung: 1906
Maße (cm): 55,0 H x 48,5 B x 7,0 T 
Material: Faser/Gewebe, Glas, Holz, Metall, Papier

Das Anfertigen von Kastenbildern ist ein fast vergessener Brauch, der seinen Höhepunkt zwischen etwa 1850 und 1920 in überwiegend katholischen Gegenden Süddeutschlands hatte, aber auch andernorts bekannt war. Auch aus Westfalen - aus katholischen und evangelischen Gebieten – sind zahlreiche Kastenbilder erhalten. Die gerahmten und verglasten Bilder waren individuell angefertigte Erinnerungen an existentielle Ereignisse im Lebenslauf wie Hochzeit oder Tod. Sie enthalten gestickte oder gedruckte Namen, Heirats- oder Lebensdaten und Sprüche sowie einen Hochzeits- oder Totenkranz und oft auch Fotografien der Personen, an die erinnert werden sollte.
Dieses Kastenbild aus dem Jahr 1906 besteht aus einem silbernen Farnkranz, der mit Eicheln und kleinen Glasperlen verziert ist. Es war ein Geschenk der Kinder zur Silberhochzeit an die Eltern und trägt die Inschrift: „Zur Erinnnerung an die Silberne Hochzeit unseren lieben Eltern Heinrich Hanhardt, Theresia Hanhardt, geb. Recker 1881. Rietberg, 26. April 1906 gewidmet von ihren danckbaren Kindern.“

Gerahmtes Bild mit silbernem Farnkranz, Eicheln, Perlen und Text.

Mesusakapsel

Inventar-Nr.: 2001:605
Objektbezeichnung: Mesusakapsel
Datierung: 1985-1995
Maße (cm): 3,8 H x 15,5 B x 1,2 T   
Material: Holz, Kupferlegierung, Messing, Metall, Pergament

Diese Mesusakapsel ist eine längliche Kapsel aus Metall, in der sich eine kleine Pergamentrolle mit einem handgeschriebenen hebräischen Text befindet. Die Zeilen des „Schmaa Israel“ (Höre Israel, 5. Mose 6, 4-9 und 5. Mose 11, 13-21) erinnern die gläubigen Juden daran, gottesfürchtig zu sein und beinhalten den Auftrag, stets in Ehrfurcht von Gottes Taten zu sprechen. In dem Text wird ausdrücklich dazu aufgefordert, ihn „an die Pfosten der Häuser“ zu schreiben.
In jüdischen Haushalten wird eine Mesusa in einer bestimmten Höhe und schrägen Ausrichtung am rechten Türpfosten der Eingangstür und nahezu aller Zimmertüren im Haus oder der Wohnung angebracht. Ihr wurde eine Schutz- und Segensfunktion zugeschrieben. Gläubige Juden berühren die Mesusa beim Eintritt ins Haus.
Dieses Objekt stammt aus dem Haus der Familie Katz, die Nachbarn der Familie Uhlmann waren, die bis zu ihrer Deportation 1941 in Ovenhausen lebte. Ihr Haus wurde 2007 im Freilichtmuseum wiederaufgebaut und war das erste jüdische Wohnhaus in einem deutschen Freilichtmuseum.

Längliche Metallkapsel mit kleiner Pergamentrolle im Inneren.

Tabakschneider

Inventar-Nr.: 2000:960
Objektbezeichnung: Tabakschneider
Datierung: um 1945

Ein interessantes Objekt aus der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg ist dieser Tabakschneider. Er wurde vermutlich kurz nach 1945 hergestellt und stammt aus einem kleinen Tagelöhnerhaus in Olsberg-Gevelinghausen.
Tabak wurde in den Jahren nach Kriegsende wie Obst und Gemüse im heimischen Garten angebaut - zum Eigenverbrauch oder als Tauschmittel. In der frühen Nachkriegszeit (vor der Währungsreform 1948) galt in Deutschland eine inoffizielle „Zigarettenwährung“ (1 Zigarette = 7 Reichsmark oder 1 Ei usw.) und selbst angebauter Tabak, „Eigenheimer“ genannt, war weit verbreitet. Mithilfe dieses Tabakschneiders wurden die großen Tabakblätter geschnitten, aus dem fein zerkleinerten Tabak konnten dann Zigaretten gedreht werden. Die Bedienung des Geräts ist so simpel wie effektiv: Die Tabakblätter werden oben eingelegt, durch das Betätigen der Kurbel eingezogen und durch die Walze zerkleinert.

Angerosteter Tabakschneider.

Sonnenuhr

Inventar-Nr.:1999:543
Objektbezeichnung: Sonnenuhr/Horizontalsonnenuhr
Datierung: 1781
Maße (cm): 29,0 H x 26,0 B x 20,0 T 
Material: Baustoff, Kupferlegierung, Messing, Metall, Schiefer, Stein

„Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur!“ Sicherlich jeder hat sich beim Schreiben dieses Sprichworts in ein Poesiealbum schon mal gefragt, wie eine Sonnenuhr überhaupt funktioniert. So unterschiedlich Sonnenuhren nach ihrer Konstruktion und Funktionsweise sein können, eins haben sie gemeinsam: Ein Zeiger oder ein Faden wirft bei Sonnenschein seinen linienförmigen Schatten auf das Zifferblatt der Sonnenuhr, wo die Zeit angezeigt wurde. Dazu musste die Sonnenuhr exakt auf die Sonne ausgerichtet werden; zu diesem Zweck hat eine transportable (Klapp)sonnenuhr üblicherweise einen Kompass.
Diese Sonnenuhr von 1781 besteht aus einer Schieferplatte mit einem Zeiger und Blattornamenten aus Messing und ist in einem Holzrahmen gefasst, der mit Samt überzogen ist. Die in die Platte gravierte Inschrift "HOROLOGIUM HORIZONTALE PADERBORNE 1781 SUB ELOVATIO POLI 51C 40MI FECIT IOHAN GOTTLIEB MÜLLER" verweist mit den geographischen Angaben "51. Breitengrad, 40 Minuten" auf den Standort Paderborn, für den die Uhr gefertigt wurde sowie auf den Hersteller Johan Gottlieb Müller.

Gerahmte Klappsonnenuhr aus Schiefer mit Zeiger und Blattornamenten aus Messing.

Puppe

Inventar-Nr.: 1998:837
Objektbezeichnung: Puppe
Datierung: 1950er/60er Jahre
Maße (cm): 58,0 H x 25,0 B x 16,0 T 
Material: Kunststoff, Kunstfaser, Glas, Synthetische Faser, Baumwolle

Diese Puppe aus Kunststoff mit Kurbelkopf und beweglichen Armen und Beinen stammt vermutlich aus den 1950er/60er Jahren. Bei einem Kurbelkopf ist der Kopf mitsamt dem Hals so geformt, dass er in einer Kugel endet. Am Torso wird er mit Gummibändern oder Spiralfedern in einer schalenförmigen Gelenkpfanne befestigt, wodurch der Kopf drehbar wird.
Mit ihrer blonden Kunsthaarperücke mit aufgetürmter Frisur und farbenfroher Kleidung ist diese kleine Dame modisch ganz aktuell. Sie bildet die damalige Mode ab und spiegelt den Zeitgeist wider. Puppen sind weitaus mehr als nur hübsche Begleiter in der Kindheit. Vielmehr leisten sie Kindern, zumeist Mädchen, emotionale Unterstützung bei der Alltagsbewältigung und sind ein wichtiger Teil der Kindheit.

Puppe mit  rot- und türkisfarbenem Kleid.

Lebensmittel-Bezugsmarke

Inventar-Nr.: 1997:2601
Objektbezeichnung: Bezugsschein
Datierung: 1917
Material: Papier

Südamerikanische Avocado, mexikanische Bananen, kolumbianischer Kaffee - bei dieser Fülle an exotischen Waren ist es heutzutage kaum noch vorstellbar, dass das nicht immer selbstverständlich war. Es gab Zeiten größter Not, in der nicht einmal Lebensnotwendiges unbegrenzt zur freien Verfügung stand. Waren wie Zucker, Seife, Gemüse und Eier waren nicht frei zugänglich, sondern wurden rationiert.
Diese Lebensmittelkarte der Stadt Münster vom Oktober 1917 war für Frontsoldaten auf Heimaturlaub bestimmt. Sie berechtigte den Besitzer, in einem Lebensmittelgeschäft die auf ihr aufgeführten Waren zu erwerben. In Notzeiten, wie hier im Ersten Weltkrieg, wurden diese Karten ausgegeben um den Mangel an Konsumgütern gezielter verwalten und steuern zu können.

Kleine Karte mit Aufdruck.

Windfege

Inventar-Nr.: 1996:1413
Objektbezeichnung: Windfege
Datierung: 1905-1920
Maße (cm): 126 H x 133 B x 177 T
Material: Holz, Eisen, Stahlblech

Windfege, auch Siebwindfege oder Rotationsworfelmaschine genannt, vom Typ "Reform" der Amazonen-Werke zum Reinigen und Sortieren von Getreide. Die Maschine besteht aus einem Rahmengestell aus Kanthölzern, in das das Gehäuse mit den arbeitenden Teilen eingesetzt ist. Durch den Einfülltrichter an der Oberseite der Maschine lief das zuvor gedroschene Getreide auf eine Siebplatte. Hier wurden die Getreidekörner vom Luftstrom des Flügelrads in der halbrunden Schmalseite des Gehäusekastens erfasst, das über einen bei diesem Gerät nur ansatzweise erhaltenen Transmissionsantrieb in Rotation gebracht wurde. Über zwei Pleuelstangen auf der gegenüberliegenden Längsseite wurde die Drehung des Flügelrads außerdem in eine Rüttelbewegung umgewandelt, die das gesamte Gehäuse mit den Siebplatten in Schwingung versetzte. Durch das Zusammenwirken von Luftstrom und schwingendem Sieb wurden die leichtere Spreu und Halmteile vom Luftstrom mitgerissen und aus der offenen Schmalseite der Maschine geblasen. Die gereinigten, schwereren Körner fielen durch das Sieb auf eine Ablaufplatte und wurden an der Unterseite der Maschine ausgeworfen.

Die Windfege gehörte zum Inventar des Hofs Siebert in Schmallenberg-Hebbecke (Hochsauerlandkreis). Zu dem Hof gehörte eine Fläche von ca. 35 Hektar Land mit Wald und Wiesen. Die den Hof bewirtschaftende Familie Siebert hielt Milchkühe, Schweine und bis in die 1960er Jahre zwei Arbeitspferde. Neben der Viehhaltung betrieb die Familie Ackerbau mit verschiedenen Getreidesorten sowie Rüben und Kartoffeln an. Die Windfege war in der Scheune des Hofes Teil einer Anlage, in der mithilfe eines Transmissionsantriebs das eingegebene Getreide zuerst in einer Dreschmaschine gedroschen wurde, bevor es über einen Trichter in die Windfege geleitet wurde, wo die Reinigung des Getreides erfolgte.

Windfege aus Holz und Metall, mit der Getreidekörner von der sie umgebenden Hülle gereinigt werden.

Jagdtrophäe

Inventar-Nr.: 1995:726
Objektbezeichnung: Tierpräparat
Datierung: 1900-1920
Maße (cm): 62 H x 34 B x 31 T
Material: Holz, Knochen, Fell, Glas

Die auch als „Kopfschulterpräparat“ bezeichnete Jagdtrophäe zeigt den Hals und den fellbespannten Schädel mit dem Geweih („Gehörn“) eines Rehbocks. Das Präparat ist auf ein mit geschwungenen Kartuschen verziertes Trophäenbrett aufgesetzt, das die Umrisse des Schädels betonen soll. Die auffällig voluminöse Form des Geweihs kennzeichnet den Bock als „Perückenbock“. Bei dieser seltenen Anomalie verlieren männliche Rehe durch Kastration, Unfall oder Krankheit ihre Hoden und damit die Fähigkeit zur Ausschüttung des für die Geweihbildung entscheidenden Sexualhormons Testosteron. Aufgrund ihrer Seltenheit, des auffälligen Geweihs und ihrer eingeschränkten Lebensfähigkeit sind „Perückenböcke“ bis heute ein häufiges Ziel der Trophäenjagd.
Rehbocktrophäen als Statussymbol einer erfolgreichen Jagd wurde seit den 1890er Jahren immer populärer. Durch die Klassifizierung von Rehwild zur – heute nicht mehr allgemein anerkannten – Kategorie des Niederwilds waren Jagdreviere mit vielen Tieren dieser Kategorie im Vergleich zu prestigeträchtigen Hochwild-Revieren (mit vielen Hirschen) relativ günstig zu pachten. Diese Entwicklung fiel um 1900 mit einer breiter werdenden soziale Zusammensetzung der Jäger:innen zusammen. In Nachahmung des Trophäenkults um repräsentative Hirschgeweihe wurden Rehbock-Trophäen zum „Hirsch des kleinen Mannes mit der Schrotflinte“. Diese Fixierung auf das Geweih männlicher Rehböcke wurde auch durch die zeitgenössischen Trophäenschauen verstärkt und führte immer wieder zum überproportionalen Abschuss von Rehböcken.

Präparierter Kopf eines Rehbocks, auch "Jagdtrophäe" genannt.

Wurstpresse

Inventar-Nr.: 1994:377
Objektbezeichnung: Presse
Datierung: 1880-1910
Maße (cm): 48 H x 57 B x 32 T
Material: Holz, Kupferblech

Schwengelpresse zum Herstellen von Würsten. Die kleine Presse besteht aus einem ovalen Holzbrett als Grundplatte, das sich mit einer Schraubzwinge an einer Tischplatte o. ä. befestigen lässt. In der Mitte der Grundplatte sitzt der Presszylinder aus Kupferblech auf. Rechts davon befindet sich ein Gestell mit dem Pressenhebel, der auch Schwengel genannt wird. Am geschwungenen Schwengelarm ist eine kurze Kolben- oder Zugstange angebracht, an deren Ende der Kolben befestigt ist.
In Betrieb wurde die portionierte Wurstmasse ("Wurstbrät") in den Presszylinder gefüllt und durch Drücken des Schwengelarms vom Kolben im Inneren des Presszylinders in Richtung des Auslauftrichters gedrückt. Vor dem Trichter wurde der Darm aufgerollt, in den das Wurstbrät nach und nach hineingepresst wurde. Nach dem Füllvorgang wurde die Wurst abschließend in der gewünschten Größe und Form mit Garn abgebunden.

Wurstpresse aus Messing und Holz , zum Herstellen von Wurst.

Dezimalwaage

Inventar-Nr.: 1993:828
Objektbezeichnung: Dezimalwaage
Datierung: 1870-1920
Maße (cm): 65 H x 87 B x 46 T
Material: Holz, Eisen

Die Waage besteht aus einem trapezförmigen, hölzernen Bodenrahmen, auf dem die Wiegeplatte mit Metallbeschlägen aufliegt. An der schmal zulaufenden Seite des Bodenrahmens befindet sich eine aus zwei Brettern bestehende Halterung für den eigentlichen Wiegemechanismus. An der Rückseite des Halters ist eine zweiteilige Eisenschiene montiert, die „Waagebalken“ genannt wird. Der innenseitige Teil dieses Waagebalkens wird als Lastarm bezeichnet und ist über zwei parallel verlaufende Zugstangen mit der Wiegeplatte und dem Bodenrahmen verbunden. Außen endet der Waagebalken in einer Aufhängung, an der die freischwebende Waagschale für die Gegengewichte eingehängt ist. Die vordere der beiden Zugstangen (Traghebel) gibt einen Teil des auf der Wiegeplatte lagernden Gewichts (z.B. eines Sackes) an den Waagebalken ab. Die hintere Zugstange (Zwischenhebel) verbindet den Waagebalken mit einem unter der Wiegeplatte montierten Unterbalken, der als Hebel einen Teil des auf der Platte liegenden Gewichts in den Boden ableitet und den anderen über die Zugstange zurück an den Waagebalken abgibt. Durch die Verteilung der Last über die verschiedenen Hebel wirkt nur ein vergleichsweise geringes Drehmoment auf den Waagebalken ein. Deshalb reicht zum Wiegen einer hohen Gesamtlast ein Gegengewicht von lediglich einem Zehntel, das der Waage ihren Namen gibt.


Die um 1820 entwickelten Dezimalwaagen, verdrängten ab Mitte des 19. Jahrhunderts die bis dahin verbreiteten Balken- oder Laufgewichtswaagen. Ihr Vorteil lag in dem namensgebenden Wiegeverhältnis von Masse und Gegengewicht von 1:10. Große Gewichte (von bspw. 50 Kilogramm) konnten so mit einem überschaubaren Set an kleinen Gegengewichten (in diesem Fall 5 kg) gewogen werden. Außerdem kamen Dezimalwaagen den Anforderungen des Wiegens in Zentnern, Kilogramm und Pfund entgegen, die seit 1858 auf dem Gebiet des Deutschen Zollvereins alle älteren Gewichtseinheiten verdrängten. Ein praktischer Vorteil bestand zudem darin, dass Säcke während des Wiegevorgangs offen auf der Waage stehen konnten und fehlende oder überschüssige Teile zum gewünschten Gewicht mit einer Schaufel hinzugefügt oder entnommen werden konnten.

Bild einer Dezimalwaage, mit der landwirtschaftliche Produkte zum Beispiel in Säcken ausgewogen wurden.

Zupfmaschine

Inventar-Nr.: 1992:895
Objektbezeichnung: Zupfmaschine
Datierung: 1900-1940
Maße (cm): 106 H x 70 B x 113 L
Material: Stahl, Eisen

Zupfmaschine zur Herstellung von Polstermaterialien aus Palmfaser (Afrik) oder Rosshaar. Das in Polstereien und Sattlereien genutzte Gerät besteht aus einem vierbeinigen Winkeleisengestell, auf dem eine mit Nadeln besetzte, rotierende Stahltrommel läuft. Mit der Zupfmaschine wurden die zu kompakten Strängen verdichteten Grundmaterialien Palmfaser oder Rosshaar in lockere Faserbüschel zerzupft und anschließend als Füllung für Polstermöbel oder Sättel weiterverarbeitet. Durch Drehen der Handkurbel wurden die auf dem Ausleger liegenden Faserstränge von einem vorgelagerten kleinen Walzenpaar in die Maschine gezogen. Dort wurden sie von den Nadeln der ebenfalls durch die Übersetzung der Handkurbel angetriebenen großen Trommel erfasst und zu einzelnen Büscheln auseinandergezogen.

Zupfmaschine, mit der Polsterer Material für die Füllung von Polstermöbeln herstellen.

Handwagen

Inventar-Nr.: 1991:2691
Objektbezeichnung: Handwagen
Datierung: 1900-1960
Maße (cm): Wagen: 56 H x 67 B x 100 T /Deichsel: 114 L   
Material: Holz, Eisen

Handwagen vom Typ „Kleiner Lemgoer“ zum Transport kleinerer Lasten. Der Handwagen besteht aus den beiden Achsen, an denen vier Holzspeichenräder laufen und einem niedrigen Kastenaufbau aus lackierten Brettern. Die Vorderachse (Lenkachse) ist drehbar gelagert und kann durch die separate Handdeichsel bewegt werden. Die unbewegliche Hinterachse ist fest mit dem Kastenaufbau verbunden. Dieser Wagentyp wurde von mehreren Wagenbauereien in Lemgo (Kreis Lippe) hergestellt und war unter dem Namen „Kleiner Lemgoer“ ein regional bekannter Markenbegriff.

Kleiner Bollerwagen, der auch "kleiner Lemgoer" wird.

Rübenkopfschlitten

Inventar-Nr.: 1990:316
Objektbezeichnung: Rübenköpfschlitten
Datierung: 1950-1960
Maße (cm): 81 H x 89 B x 227 L
Material: Eisen, Stahlblech

Rübenköpfschlitten, auch Rübenköpfer genannt, zum Abtrennen von Rübenblättern. Das Gerät besteht aus einem annähernd dreieckigen Gestell aus Stahlröhren, das an seiner Unterseite in zwei mit Stahlblech verkleideten, spornförmigen Kufen ausläuft. In Betrieb konnte die Spurweite der beiden Kufen an den Abstand der Rübenreihen eines Felds angepasst werden. Mit den hinter den Kufen sitzenden Messern wurden so zwei Rübenreihen gleichzeitig bearbeitet. Der Schlitten wurde an einen Schlepper (oder das Geschirr eines Zugtiers) angehängt und über das Feld gezogen. Die spornförmigen Kufen hoben die Rübenblätter so weit an, dass die an einem gefederten Hebel sitzenden Messer direkt am Kopf der Rübe ansetzen und diesen zusammen mit den Blättern abtrennen konnten. Anschließend wurden die abgeschnittenen Blätter in einer Reihe hinter dem Schlitten abgelegt. Die so gewonnenen Rübenblätter wurden siliert oder gehäckselt und als energiereicher Zusatz zum Viehfutter verwendet.

Schlitten mit zwei Messern.

Sackklopfmaschine

Inventar-Nr.: 1989:2004
Objektbezeichnung: Sackklopfmaschine
Datierung: 1920-1950
Maße (cm): 93 H x 112 B x 48 T        
Material: Holz, Stahl

Sackklopfmaschine zum Säubern von Mehlsäcken. Die Maschine besteht aus einem rechteckigen Kastengehäuse aus lackierten Brettern, das auf vier niedrigen Beinen steht. An einer der Schmalseiten ist eine Handkurbel mit Kettenantrieb angebracht. Auf der Oberseite lässt sich der Maschinenkasten durch zwei Klappen öffnen. Im Innenraum der Maschine befindet sich auf Höhe der unteren Zahnstange des Kettenantriebs eine Reihe versetzt angebrachter Holzhämmer, die auf einer Nockenwelle angebracht sind. Durch Drehen der Kurbel wurde im Inneren die Welle mit den Hämmern mit in Bewegung gesetzt. Die abwechselnden Schläge der Hämmer klopften den in der Maschine eingespannten Sack aus und säuberten ihn von Mehlrückständen oder Getreidekörnern. Um auch diese Rückstände zu verwerten, wurden sie in einer Schublade im Boden des Maschinenkastens aufgefangen.

Die abgebildete Sackklopfmaschine gehörte zur Einrichtung eines bis Anfang der 1990er betriebenen Landgasthofs in Lüerdissen (Stadt Lemgo, Kreis Lippe), dem vor 1960 außerdem eine Bäckerei angegliedert war.

Sackausklopfmaschine aus Holz, mit der Mehlsäcke gesäubert wurden.

Schuhpresse

Inventar-Nr.: 1988:1593
Objektbezeichnung: Schuhpresse
Datierung: 1925-1940
Maße (cm): 59 H x 55 B x 35 T
Material: Stahl, Eisen, Leder

Sohlenpresse der Firma Rafflenbeul zum Verkleben der Sohlenschichten eines Schuhs. Die Maschine vom Typ "Adria" besteht aus einer eisernen Grundplatte, auf die ein T-förmiger Träger mit zwei Gewindespindeln aufgeschraubt ist. Die Gewindespindeln enden in zwei kleineren Trägern mit Stellfüßen. Unterhalb der Spindelarme liegen in Führungsschienen gelagerte Druckluftkissen, in die die Schuhrohlinge während des Pressvorgangs eingelegt wurden. In Betrieb wurde das auf Leisten gezogene Schuhpaar mit den Spindelarmen unter Druck gesetzt und die Druckluftkissen mit einem nicht erhaltenen Kompressor mit Luft gefüllt. Der so erzeugte, beidseitige Druck bewirkte, dass die mit einem speziellen Klebstoff bestrichenen Sohlenschichten nach etwa 30 Minuten unlösbar zusammengefügt wurden.

Schuhpresse aus Holz mit zwei Lederschuhen.

Schäferkarren

Inventar-Nr.: 1987:1398
Objektbezeichnung: Schäferkarren
Datierung: 1880-1930
Maße (cm): 190 H x 336 B x 140 L     
Material: Holz, Stahlblech, Eisen

Der längliche, auch als "Schlupfkarren" bezeichnete Karren diente einem Schäfer als wettergeschützter Schlafplatz während des Aufenthalts bei seiner Herde. Das Gestell des Karrens besteht aus einer Achse mit zwei Holzspeichenrädern, auf dem der mit Brettern verkleidete Kastenaufbau sitzt. Das flache Satteldach des Aufbaus ist mit Blech gedeckt. Der Innenraum des Karrens ist über eine Einstiegsklappe an der vorderen Schmalseite zugänglich und bot dem Schäfer außer der Liegefläche für eine Person keinen Komfort. Seitlich ist ein kleiner Kasten als Schlafplatz für den Hütehund angebaut. Gezogen wurde der Karren durch ein Zugtier, meistens einen Esel, der zwischen den Deichseln (von denen nur eine erhalten ist) angeschirrt wurde. Um in der Nacht eine waagerechte Liegefläche zu erhalten, musste der Karren durch ebenfalls nicht erhaltene Stützen stabilisiert werden.

Holzkarren zum Ziehen mit einem kleineren Einlass und einem viersprossigen Fenster.

Düngerstreuer

Inventar-Nr.: 1986:808
Objektbezeichnung: Düngerstreuer
Datierung: 1930-1950
Maße (cm): 80 H x 70 B x 158 L       
Material: Stahlblech, Eisen

Düngerstreuer zum Ausbringen von Kunstdünger. Das von einer Zugmaschine gezogene Gerät besteht aus einer Achse mit zwei gusseisernen Speichenrädern, auf denen der Streumechanismus in Form eines Schaufelrad-Tellers angebracht ist. Darüber befindet sich ein blecherner Trichter (Einfüllstutzen) für den Dünger. Durch ein einfaches Kegelradgetriebe in der Mitte der Achse wird die Drehbewegung der Räder in eine horizontale Drehbewegung des Streutellers übersetzt. Dieser verteilte den pulverförmigen Dünger in einem Umkreis von ca. fünf Metern auf dem Acker.
In Betrieb wurde der Streuer mit seiner kurzen Deichsel an einen mit Kalkdünger beladenen Ackerwagen angehängt, der von einer Zugmaschine über das zu bearbeitende Feld gezogen wurde. Von der Ladefläche musste der Streuer über den Einfüllstutzen durch Schaufeln manuell befüllt werden. Der Dünger floss durch den trichterartigen Stutzen auf den Drehteller und wurde von dort relativ gleichmäßig verteilt. Der Streuer konnte (wenn wohl auch seltener) auch zur Ausbringung von Jauche verwandt werden. Dazu wurde das Gerät unterhalb des Auslaufs eines Jauchefasses angehängt.

Bis ins späte 19. Jahrhundert waren Mist und Jauche sowie Kalk und Mergel die einzigen natürlichen Düngemittel, die den Bauern zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit zur Verfügung standen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen aus Südamerika importierte Mineraldünger wie Chilesalpeter oder Guano (Kot von Seevögeln), bergmännisch abgebaute Kalisalze und synthetisch hergestellte „Kunstdünger“ (Stickstoff, Phosphate, Kalium) auf den Markt und trugen zu einer erheblichen Ertragssteigerung in der Landwirtschaft bei. Zugleich führte der übermäßige Kunstdüngereinsatz aber auch zu ökologischen Problemen.

Düngerstreuer mit einem Trichter und einem Streuteller aus Metall.

Rasierklingenschärfer

Inventar-Nr.: 1985:2437.1
Objektbezeichnung: Abziehgerät
Datierung: 1900-1925
Maße (cm): 72 H x 65 B x 62 L          
Material: Stahl, Leder, Holz

Rasierklingenschärfer „Gnom“ des Herstellers M. Winkler & Co. zum Nachschärfen benutzter Nassrasierer-Klingen. Das auch als Abziehapparat oder Abziehmaschine bezeichnete Gerät besteht aus einem kurzen gedrechselten Handgriff mit einer Spannbacke aus Edelstahl, in die die zu schleifende Klinge eingespannt wurde. Darüber sitzt eine mit Leder überzogenen Holzrolle am oberen Ende des Geräts. In Betrieb wurde die abgenutzte Klinge in die Spannbacke eingesetzt und die darüber liegende Schleifrolle mithilfe der kleinen Handkurbel in Drehung versetzt. Durch die schleifende Wirkung der Lederrolle wurden die winzigen Deformierungen und Grate, druch die Klinge stumpf geworden war, wie bei einem Schleifstein geglättet und die Klinge dadurch wieder geschärft.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert setzte die Einführung von Sicherheits- oder Nassrasierapparaten eine kleine Revolution der männlichen Körperpflege in Gang. Mit den neuen Selbst-Rasierern entstand ein Produkt, das den niedergelassenen Friseuren (die die Rasur als "Barbier" als Zusatzgeschäft anboten) und den bisherigen Rasiergeräten (Rasiermesser und -hobel) große Konkurrenz machte. Bis in die 1930er Jahre entstanden unzählige Hersteller, die Walzstahlklingen in verschiedenen Qualitäten für unterschiedlichsten Rasierer-Modelle produzierten. Ein Nachschärfen der als Wegwerfprodukt gedachten Klingen war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Doch um 1908 tauchten die ersten Klingenschärfer oder "Abziehapparate" auf dem Markt auf. Mit ihnen sollten die Nutzer bis zu zehn Rasuren mehr aus den (höherwertigen) Klingen herausholen und so auf lange Sicht sparen.
Der Einsatz von Giftgas im Ersten Weltkrieg und das dabei erforderliche Tragen von Gasmasken beschleunigten ab 1914 den Trend zur Selbstrasur. Auch nach dem Ende des Kriegs blieb das Ideal des jugendlichen und bartlosen Mannes, der in der Lage war, sich täglich selbst zu rasieren, wirkmächtig. Weil die Preise für Ersatzklingen insbesondere in den Inflationsjahren nach dem Krieg hoch blieben und die Qualität schwankte, konnten sich unterschiedlichen Typen von Rasierklingenschärfern lange am Markt halten. Erst Ende der 1920er Jahre fielen die Preise von Ersatzklingen auf wenige Pfennige und die Materialstärke reduzierte sich auf 0,06 Millimeter. Ein Nachschleifen der Rasierklingen war nun ökonomisch sinnlos und auch technisch nicht mehr möglich. Rasierklingen wurden nun zu dem Wegwerfprodukt, als das sie ursprünglich entwickelt worden waren.

Schwarze Kiste mit Samteinlage, Rasierklingenschärfer und Beipackzettel.

Hundegöpel

Inventar-Nr.: 1984:1278
Objektbezeichnung: Göpel
Datierung: 1850-1900
Maße (cm): 151 H x185 B x 60 L
Material: Holz, Eisen

Hundegöpel zur Herstellung von Butter. Das Gerät besteht aus zwei unterschiedlich hohen Rahmen mit einer schiefen Ebene dazwischen. Auf diesem Grundgestell sind hölzerne Rollenpaare gelagert, über die ein Laufband aus Holzlamellen gespannt ist. In Betrieb versetzte ein auf dem Laufband laufender Hund die Rollenpaare in Rotation. Diese Drehbewegung wandelte ein nicht erhaltenes Koppelgetriebe in eine Auf- und Abwärtsbewegung eines an der Vorderseite des Geräts angebrachten Stößels um. Durch die Stoßbewegung dieses Stößels wurde aus dem im Fass befindlichen Rahm Butter.

Die aus heutiger Sicht bizarr anmutenden Hundegöpel waren eine technische Innovation bei der Rationalisierung der Butterherstellung ("Buttern") im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie setzten sich aber nur in kleinem Umfang und begrenzt auf Nordwestdeutschland durch. Ihr Betrieb rechnete sich nur, wo durch den Einsatz eines Hundes eine schnellere Verarbeitung größerer Mengen von Rahm im Vergleich zum Buttern mit der Hand zu erwarten waren. Der zeitlich parallel beginnende Entstehungsprozess von Molkereien und maschinellen Verfahren zur Milch- und Butterverarbeitung auch für den Haushalt setzten der Produktion von Hundegöpeln spätestens in den 1910er Jahren ein Ende.

Laufband aus Holz.

Kewpie

Inventar- Nr.: 1983:2686
Objektbezeichnung: Puppe
Datierung: 1910-1930
Maße (cm): 14 H x 8 B x 6 T

Die Amerikanerin Rose O´Neill entwickelte die „Kewpies“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Comicfiguren. Die als kleine Schutzengel dargestellten Figuren wurden schnell beliebt. O´Neill entwickelte daraufhin kleine Puppen, ließ sie sich patentieren und von deutschen Porzellanherstellern ab 1913 produzieren. Sie wurden zu einem absoluten Exportschlager, der größte Abnehmer war die USA. Die ersten Kewpies waren aus Biskuitporzellan, ihre Gesichtszüge und andere Details aufgemalt. Die Kewpies wurden in verschiedenen Größen, meist unbekleidet mit einem herzförmigen Aufkleber „Kewpie Germany” produziert. Da Exporttarife nach Gewicht berechnet wurden, ersetzte man das schwerere und zerbrechliche Biskuitporzellan durch Zelluloid. Die Kewpie-Welle in Deutschland dauerte bis weit in die 1920er Jahre. In anderen Ländern wie zum Beispiel in Japan gibt es bis heute viele Fans.

Die „Kewpie“-Puppe unserer Sammlung wurde aus Gips gefertigt und hat bewegliche Arme. Die typischen Engelsflügel und auch eine Herstellermarkierung fehlen. Ihre Körperhaltung, mit gesenktem Kopf und Blick zur Seite, ist typisch für die frühe Form dieser Puppen. Die modellierten blonden Haare sind aufgemalt, ebenso wie die schwarzen Augen. Der Körper ist rosa gefärbt. Die Puppe ist bis auf die aufgemalten weißen Strümpfe und roten Schuhe, unbekleidet.

Unbekleidete kleine Puppe.

Sammlung von Stereobildpaaren

Inventar-Nr.: 1982:751.1
Objektbezeichnung: Stereobildpaar

Das Stereoskop, ein Apparat zur dreidimensionalen Betrachtung von Bildern, und die zugehörigen Stereobildpaare wurden 1838 von Charles Wheatstone, Professor für experimentelle Naturwissenschaften in London, berechnete und konstruiert. 1849 entwickelte der Physiker David Brewster eine Zweiobjektiv-Kamera, mit der zum ersten Mal Fotoaufnahmen stereoskopisch festhalten werden konnten. Schon zwei Jahre später zeigte der französische Optiker Jules Dobascq auf der Weltausstellung in London Stereo-Daguerreotypien. Das Publikum war begeistert und das große Interesse an Stereobildern nicht mehr aufzuhalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden über eine Million Stereoskope und entsprechend ein Vielfaches an Stereokarten verkauft. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ging das Interesse an Stereobildern wieder zurück.

Diese Sammlung wurde im Schulunterricht für verschiedene Fächer genutzt. Sie besteht aus Stereokarten mit schwarz-weißen und farbigen Motiven. Darunter sind Landschaften, Stadtansichten, aber auch Märchenbilder und Innenaufnahmen aus Schlössern.

Sammlung von Stereobildern

Honigschleuder

Inventar-Nr.: 1981:135
Objektbezeichnung: Honigschleuder
Datierung: 1900-1950
Maße (cm): 122 H x 70 B; Trommel 61 H x 52 Durchmesser
Material: Holz, Metall

Im LWL-Freilichtmuseum Detmold kann man an mehreren Orten viel über Bienen und die Imkerei erfahren. Neben dem vor zwei Jahre eröffneten Bienenzentrum auf dem Lippischen Meierhof gibt es im Gelände verschiedene Beuten und Bienenkörbe, die neben der herkömmlichen Imkerei auch alternative Formen der Honiggewinnung zeigen. Es ist dem Museum ein großes Anliegen, auf die aktuelle Situation der Honigbiene und der bedrohten Wildbienenarten hinzuweisen.

Honigschleuder zur mechanischen Gewinnung von Honig. Die zylindrische Blechtrommel des Gerätes ruht auf drei abgewinkelten Füßen. Durch den blau lackierten Trommelkörper verläuft eine Achswelle, die in Höhe des zweigeteilten hölzernen Deckels in ein Kegelradgetriebe mit Handkurbel und Ritzel übergeht. Im Inneren der Trommel befindet der mit der Achswelle verschweißte dreieckige Wabenkorb, in den drei mit Honigwaben gefüllte Rähmchen gestellt werden konnten.

Zum Betrieb der Honigschleuder wurden die zuvor entdeckelten Honigwaben in ihren Rähmchen in den Wabenkorb gestellt. Anschließend wurde der Wabenkorb mit der Handkurbel in schnelle Rotation versetzt, durch die einsetzende Zentrifugalkraft wurde der zähflüssige Honig aus den Waben gegen die Wand der Trommel geschleudert. Von dort floss er an der Innenseite der Wand hinunter und konnte durch einen Ausfluss vom Imker aufgefangen werden.

Blau lackierte Honigschleuder.

Turnpferd

Inventar-Nr.: 1980:2246
Objektbezeichnung: Turnpferd
Datierung: 1900-1950
Maße (cm):  88 H x 69 B x 152 L
Material: Holz, Metall, Leder

Das Turnpferd, auch Pauschenpferd oder Seitpferd genannt, gehört zu den klassischen Wettkampfgeräten des olympischen Kunstturnens. Das Gerät entstand aus hölzernen Pferdeattrappen, die beim Fecht- und Reitunterricht in adeligen Bildungseinrichtungen (Ritterakademien) der Frühen Neuzeit verwendet wurden. Als die Turnbewegung sich das Pferd um 1810 aneignete, ähnelten manche Exemplare noch deutlich mehr einem natürlichen Pferd mit angedeutetem Hals und Schweif. Mit der Festlegung auf einen Übungskanon aus Schwüngen, Kreisel- und Pendelbewegungen verschwanden Kopf und Schweif und der Bezug zum Reiten. So entstand die bis heute übliche Form des Turnpferdes.

Das Gerät besteht aus einem lederbezogenen und gepolsterten Massivholzkorpus, der auf vier abgewinkelten Beinen steht. Die Beine aus ausgehölten Kanthölzern sind auf der Innenseite mit einem Einrastsystem ausgestattet, mit dem das Turnpferd in unterschiedlichen Höhen eingestellt werden kann. Auf der Oberfläche des Korpus sind mehrere Bohrlöcher für die nicht erhaltenen Handgriffe (Pauschen) zu erkennen, die dem Pauschenpferd seinen Namen geben.

Turnpferd mit lederbezogenem und gepolstertem Korpus auf vier hölzernen Beinen.

Schulwandbild „Schneewittchen“

Inventar-Nr.: 1979:690
Objektbezeichnung: Schulwandbild (Deutschunterricht)
Datierung: 1900-1905

Schulwandbilder verbreiteten sich im 19. Jahrhundert mit dem Anspruch, schulische Lehrinhalte anschaulicher zu vermitteln. Zuerst noch als Ergänzung von Schulbüchern, wurden sie wenig später auch unabhängig für didaktische Zwecke eingesetzt. Es gab Wandbilder für fast alle Schulfächer und sie waren für lange Zeit ein elementares Lehrmittel. Viele Menschen kennen sie vielleicht noch aus dem Biologieunterricht, wo sie noch bis in 1980er Jahre verwendet werden. In der Blütezeit 1880 bis 1920 entstehen eigene Verlage für Schulwandbilder. Sie veröffentlichen eine enorme Vielzahl von Motiven, die auch weltweit Abnehmer finden.

Schulwandbilder mit Märchenmotiven stießen nicht überall auf Zustimmung, als sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts Einzug in die Klassenräume fanden. Die Fachwelt diskutierte Jahrzehnte, ob die Märchen und Fabelmotive auch den erwünschten Lerneffekt haben. Die Märchenmotive setzten sich dennoch durch, denn neben der moralischen Funktion, erweiterten die Schüler und Schülerinnen, bei der Erläuterung der Märchen und Fabeln, ihre Sprachkenntnisse durch Beschreiben und Erzählen. Die aufwendig ausgestalteten und ausdruckstarken Bilder regen auch heute noch die (kindliche) Phantasie an.

Auf diesem Schulwandbild ist das Märchen „Schneewittchen“ zu sehen. Das farbige Bild in der Mitte zeigt, wie die Zwerge und der Prinz sich um den gläsernen Sarg versammeln. Die umgebenden, eher skizzenartigen Zeichnungen erzählen weiteren Szenen aus dem Märchen. Das Schulwandbild ist von Paul Hey signiert und stammt aus einer der bekannten Serie mit Märchenmotiven, die bis 1905 von dem Verlag Meinhold in Dresden veröffentlicht wurden.

Das LWL-Freilichtmuseum Detmold verfügt über eine große Sammlung von Schulwandbildern mit den unterschiedlichsten Motiven aus den Fächern Deutsch, Biologie, Geographie, Geschichte und Sachkunde. Dieses stammt aus einer Grundschule in Westerwiehe bei Rietberg.

Schulwandbild mit Motiven aus dem Märchen Schneewittchen.

Küchenbehälterserie mit Rosendekor

Inventar-Nr.: 1978:179
Objektbezeichnung: Küchenbehälter
Datierung: um 1900
Material: Steingut

Die umfangreiche, nahezu vollständige Serie von 21 zusammengehörenden Gefäßen wurde in der Küche zur Vorratshaltung von Lebensmitteln genutzt. Die einzelnen Behälter dienten zur Aufbewahrung für Öl und Essig, für verschiedene Gewürze, aber auch für Kaffee, Mehl und Zucker. Auch sechs Kännchen in unterschiedlicher Größe gehören dazu. Die Küchenbehälter aus Steingut sind mit einem Rosendekor und schwarzen Rändern im Jugendstil verziert. Eine Beschriftung weist auf den Inhalt jedes einzelnen Gefäßes hin.

Derartige Serien von Küchenbehältern waren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Gefertigt wurden sie in unterschiedlichster Qualität, mal aus hochwertigem Porzellan, mal aus emailliertem Blech, meist aber aus Steingut mit aufgedrucktem Dekor und Schriftzug. Aufgrund der Massenproduktion fehlen oft Firmennamen oder -stempel. Neben der praktischen Funktion der Vorratshaltung war auch ihr repräsentativer Zweck im Haushalt wichtig. Die beschrifteten Gefäße signalisierten Ordnung, Sauberkeit und gute Haushaltsorganisation. Meistens wurden sie in einem offenen Regal oder auf einem Wandbord in der Küche gut sichtbar und leicht erreichbar aufgestellt.

21-teilige Serie von Küchenbehältern mit Rosendekor und Beschriftung.

Fußwärmer

Inventar-Nr.: 1977:1197
Objektbezeichnung: Fußwärmer
Datierung: 19. Jahrhundert
Maße (cm): 19 H x 21 B x 21 T
Material: Holz, Eisen, Metall

Schon immer waren die Menschen erfinderisch um sich warm zu halten und keine kalten Füße zu bekommen. In den noch im beginnenden 20. Jahrhundert nur schwer beheizbaren Wohnhäusern wurden Hilfsmittel wie dieser tragbare hölzerne Fußwärmer gerne genutzt. Erwärmt wurde der kleine Holzkasten durch Glut in einem Tonschälchen oder -näpfchen, das durch eine Öffnung an der Seite auf eine Metallplatte hineingestellt wurde. Die Handhabung musste natürlich mit großer Vorsicht geschehen. Durch Löcher in Wänden und Deckel, die häufig auch Verzierungselement waren, wurde die Glut belüftet, gleichzeitig konnte die Wärme austreten. Aufwendigere „Stövchen“ waren aus poliertem Messing. Gern wurden diese tragbaren Wärmebehälter von Frauen bei Hausarbeiten im Sitzen verwendet oder zum Kirchgang mitgenommen. Unter den Rock gestellt, verbreiteten sie angenehme Wärme.

Hölzerner Fußwärmer mit Eisenhenkeln.

Kutschwagen

Inventar-Nr.: 1976:529
Objektbezeichnung: Kutschwagen
Maße (cm): 149 H x 164 B x 279 L x 210 L
Material: Holz. Eisen

Kutschen, also aufwendiger gestaltete Wagen, die für den Personentransport, zum Beispiel zum sonntägliche Kirchgang genutzt wurden, waren für die meisten Menschen nicht erschwinglich. Sie gingen meistens zu Fuß. Erst mit dem Aufkommen des Automobils und dessen langsamer Verbreitung ab den 1920/1930er Jahren konnten sich auch Menschen aus einfacheren Verhältnissen gebrauchte, ausrangierten Kutschen leisten.

Bei dieser Kutsche handelt sich um einen Landauer. Diese Kutschen in meist dunkler Lackierung wurden häufig für festliche Anlässe genutzt. Typisch sind der seitliche Einstieg, die vier gegenüberliegenden Sitzplätze, der abgeteilte Kutschbock und ein zweiteiliges Lederklappverdeck. Bei dieser Kutsche ist die Sitzbank hinter dem Kutscher etwas kleiner, hier nahmen eher die Kinder Platz.

Landauer, Kutsche mit vier Sitzplätzen und klappbaren Lederverdeck.

Flachsriffel

Inventar-Nr.: 1975:208
Objektbezeichnung: Riffel
Datierung: 1800-1920
Maße (cm): 38 H x 11 B x 149 L, sichtbare Zinkenlänge 29 cm
Material: Holz, Eisen, Messing, Kupferlegierung

Flachsriffeln waren ein wichtiges Arbeitsgerät in der Flachsverarbeitung. Um Blätter und Samenkapseln von den geernteten und getrockneten Flachsstängeln zu trennen, wurden Flachsriffel genutzt. Der Samen, auch Leinsamen genannt, wird auch heute noch als Nahrungs- und Heilmittel für Mensch und Tier verwendet oder auch zu Leinöl gepresst. Aus den Stängeln wurden in weiteren Arbeitsprozessen die Flachsfasern gewonnen, aus denen Garn gesponnen und Leinwand gewebt wurde. Ein Teil der Ernte wird aber auch als Saatgut zurückbehalten. Angebaut wurden verschiedene Sorten, so nutzte man für die Herstellung von Faserlein eine andere Flachssorte als für die Gewinnung von Leinsamen. Bei allen Arten trennt man vor der Weiterverarbeitung die Stängel und die Samen.

Die Flachspflanzen werden Handvoll bündelweise mit dem oberen Pflanzenende in den engzinkigen und feststehenden eisernen Kamm geschlagen und hindurchgezogen. Die Kämme können zwischen 10 und 20 runde oder eckige Zinken in unterschiedlicher Stärke haben. Runde Zinken sind ein Hinweis auf ältere Flachriffeln. Der Riffelkamm wurde entweder auf einem Brett, einem Riffelbalken oder einem alten Wagenrad (Riffelrad) montiert. Die Stängel werden nach dem einschlagen in den Zinkenkamm rückwärts durch den Kamm gezogen bis die Kapseln und Blätter auf der anderen Seite der Flachsriffel herunterfallen. Das Verfahren wird solange wiederholt bis alle Kapseln abgestreift sind. Den Vorgang nennt man Riffeln oder mundartlich im Niederdeutschen auch Reepen. In dieser Form wurden Flachsriffeln auf Höfen, auf denen Flachs angebaut wurde, bis ca. 1950 benutzt.

Kurzer Riffelbalken mit zwei oben spitz zulaufenden Zinkenkämmen zum Abstreifen der Samenkapseln. Die Kämme haben jeweils 14 Zinken, wobei bei einem Kamm in der Mitte ein Zinken fehlt. Die runden Zinken sind einzeln durch den Balken genagelt. Diese Form ist selten und ist in unserer Museumssammlung nur bei dieser Flachsriffel zu sehen.

Auf einem hölzernen Balken sind zwei Kämme mit jeweils 14 Zinken aus Eisen befestigt.

Heiligenfigur Agatha

Inventar-Nr.: 1974:431
Objektbezeichnung: Heiligenfigur
Datierung: 1600-1700
Maße (cm): 47 H x 21 B x 17 T
Material: Holz

Der Giebel des Bauernhauses Kayser-Henke von 1770 im Sauerländer Dorf ist mit Heiligenfiguren, Inschriften und religiösem Schnitzdekor reich gestaltet. Darin äußert sich ein Bekenntnis zum katholischen Glauben, es zeugt vom hohen Stellenwert der Religion im Leben der Erbauer. In einer von zwei Wandnischen beiderseits des Tores stand diese Figur der Schutzheiligen St. Agatha.

Im katholischen Glauben wird jährlich am 5. Februar das Fest der heiligen Agatha begangen. Die als Märtyrerin verehrte Agatha kam um das Jahr 250 in Catania auf Sizilien zu Tode. Nach ihrer Weigerung, einen heidnischen Statthalter zu heiraten, wurde sie gefoltert. Dabei wurden ihre Brüste versengt und abgetrennt. Der heilige Petrus pflegte ihre Wunden und als dies bemerkt wurde, ließ der Stadthalter sie auf glühende Kohlen legen, wodurch sie starb. Der Legende nach brach einige Zeit später der Vulkan Ätna aus. Die Bewohner von Catania stellten sich mit Agathas Schleier dem Lavastrom entgegen und stoppten ihn. Daher wird Agatha als Schutzpatronin bei Feuergefahr angerufen und verehrt.

Dass die Figur im Giebel eines Haus aus Finnentrop bei Olpe im Sauerland zu finden ist, ist nicht verwunderlich. In der Stadt Olpe ist die Feier des Agatha-Festes mit dem Agatha-Gelübde des Rates eine örtliche Tradition. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der zu verheerenden Stadtbränden geführt hatte, wurde durch Stadtrat 1665 ein Agatha-Gelübde abgelegt. Dies wird jährlich in einer besonderen Zeremonie erneuert.

Die aus Holz geschnitzte Figur trug ehemals ein fast weißes Gewand mit hellblauem Umhang und dunkelblauem Gürtel. In der rechten Hand hält sie ein schwarzes Buch auf dem ihre abgeschnittenen Brüste liegen. Dies und auch ein Palmenwedel in der anderen Hand, die leider fehlt, gehören den Attributen der heiligen Agatha.

Hölzerne Figur der heiligen Agatha im weißen Gewand mit blauem Umhang.

Geldtruhe aus Eisen

Inventar-Nr.: 1973:437
Objektbezeichnung: Eisentruhe
Datierung: Anfang 17. Jahrhundert
Material: Eisen

Geldkisten wurden als Vorläufer eines Tresors oder Safes genutzt, konnten aber transportiert werden. Kirchen verwahrten hier die Kollekte oder gesammelte Almosen (Armengelder), Handwerkszünfte ihre Mitgliedsbeiträge oder eingezogene Bußgelder. Städte nutzen die Geldkiste als Stadtkasse oder für die sichere Aufbewahrung von Strafgeldern und Gebühren. Als Kriegskasse verwendet, enthielt sie zum Beispiel den Sold der Truppen. Neben dem Zweck, den wertvollen Inhalt diebstahlsicher zu verwahren, demonstriert das kunstvoll gestaltete Äußere der Kiste durch das Material und das scheinbar unüberwindliche Schlosssystem auch Macht und Stärke des Eigentümers. Das Metall schützte vor unbefugtem Zugriff und vor Feuer, ein kompliziertes Schloss im Deckel erschwerte das Öffnen durch nicht berechtigte Personen.

Die Geldkiste stammt ursprünglich vermutlich aus Adelsbesitz im Würzburger Raum und wurde als Kriegskasse genutzt. In Westfalen kommen vergleichbare Stücke vor.

Der Blick in die geöffnete schmiedeeiserne Geldkiste zeigt das aufwendig gearbeitete, handgeschmiedete Schloss.

Spanschachtel

Inventar-Nr.: 1972:2571
Objektbezeichnung: Spanschachtel
Datierung: 1800-1850
Maße (cm): 28,5 H x 46 B       
Material: Holz

Spanschachteln waren besonders im 18. und 19. Jahrhundert verbreitet. Als Gebrauchsgegenstände dienten sie in erster Linie zur Aufbewahrung von Textilien und Kleidung, insbesondere Trachtenhauben, oder Schmuck und Dokumenten im häuslichen Bereich. Häufig wurden auch private Dinge in ihnen verwahrt. Ihre Verwendung ist vergleichbar mit heute gebräuchlichen Pappschachteln oder Behältern aus Blech oder Plastik. Es gab auch spezialisierte Formen, wie Spanschachteln, die von Apothekern für Pillen und Salben genutzt wurden oder auch Puderschachteln. Einfache Spanschachteln waren in der Regel unbemalt, erst nach und nach setzte sich auch eine dekorative Gestaltung durch und sie wurden zum Teil aufwendig bemalt. Später, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wurden auch Drucke aufgeklebt. Spanschachteln wurden vor allem im Süden Deutschlands in Heimarbeit hergestellt. Heute findet man sie noch häufiger als Verpackung von Lebensmitteln, insbesondere Käse.

Die ovale Spannschachtel ist auf dem Deckel und an den Seiten farbig bemalt. Vermutlich wurde sie als Haubenschachtel genutzt. Die Grundfarbe ist grün. Auf dem Deckel ist in einem gelben Zierrahmen eine Gebirgslandschaft mit einer Burg oder einem Schloss und Nadelwald zu sehen. Die Bemalung an den Seiten besteht aus einem mehrfarbigen Blumenrand mit rosa Rosen. Der Seitenrand ist mit einer Zargenverbindung aus dünnen Spanholzstreifen mit Holznägeln zusammengefügt.

Die Spanschachtel ist mit einer Gebirgslandschaft auf dem Deckel und einem Blumenornament mit Rosen an den Seiten aufwendig bemalt.

Krauthobel

Inventar-Nr.: 1971:1574
Objektbezeichnung: Krauthobel
Datierung: 1890-1930
Maße (cm): 82 H x 90 B x 131 L           
Material: Holz, Metall

Vorratshaltung und damit auch die Herstellung von Lebensmitteln mit einer längeren Haltbarkeit hatte in vielen Haushalten bis in die 1960er Jahre eine große Bedeutung. Sauerkraut ist ein Vitaminlieferant und gut haltbar, das im eigenen Garten angebauten Weißkohl hergestellt wird. Die Verarbeitung ist durchaus aufwendig: In Westfalen wurde der Weißkohl mit einem sogenannten Kappes- oder Krauthobel gehobelt, also zerkleinert. Der so in dünne Streifen geschnittene Weißkohl wurde im Wechsel mit Salz, Schicht um Schicht, in ein Sauerkrautfass aus Steinzeug (Keramik) eingelegt. Die Schichten wurden zwischendurch immer wieder mit dem Sauerkrautstampfer kräftig eingestampft. Regelmäßig musste der Saft abgeschöpft werden und die Ränder des Fasses gesäubert werden. In dem folgenden Gärprozess entsteht konservierende Milchsäure. Nach vier bis fünf Wochen war das Sauerkraut fertig und wurde in dem Fass in Salzlake aufbewahrt. Auch danach musste der überschüssige Saft abgeschöpft und das Fass sauber gehalten werden, damit man das Kraut bis weit ins nächste Jahr als Vorrat nutzen konnte.

Viele Landwirte besaßen die Arbeitsgeräte für die Herstellung von Sauerkraut selbst. Es gab aber auch Menschen, die mit Krauthobeln oder Mühlen von Hof zu Hof zogen und ihre Dienste anboten.

Diese Bauart einer „Kappesmühle“ (Kappes = niederdeutsch: Kohl, Sauerkraut) war eher im Norden von Westfalen verbreitet. Sie bestand aus einer Art hölzerner Bank mit einem beweglichen hölzernen Kasten mit einer Öffnung und auf der gegenüberliegenden Seite einer Kurbel. Wurde an der Kurbel gedreht, begann auch das metallene Schneiderad im Innern des Kastens sich zu drehen. Der Kohl wurde so in dünne Streifen geschnitten. Über einen kleinen Steg rutschte der geschnittene Kohl dann in das darunter stehende Gefäß.

Krauthobel auf einer hölzernen Bank. Das Schneidemesser befindet sich im aufgesetzten hölzernen Kasten.