20.05.2021

Wer hat hier gewohnt? Teil II

Idyllisch gelegenes Einfamilienhaus: Haus Stöcker um 1917, im Vordergrund ist der Weiher zu sehen. (Quelle: hist. Fotos von Martin Fick).

Familie Stöcker zieht ein

„Idyllisch gelegenes Einfamilienhaus, solide gebaut mit Garten in Burgholdinghausen sucht neue Mieter mit handwerklichem Geschick.“ So oder so ähnlich hätte wohl eine Anzeige für die Suche nach einem neuen Pächter Ende des 19. Jahrhunderts als Beschreibung für das Haus Stöcker klingen können.

Die jüdische Geschichte des Hauses endete im November 1871 mit dem Ende des Pachtverhältnisses der Familie Meier. Ein neuer Pächter musste gefunden werden. Dieser sollte nicht nur das Haus und den Garten bewirtschaften, sondern auch in der Rentei der Verwaltung des Freiherrn von Fürstenberg für Lohn arbeiten übernehmen.

Die erste Generation der Familie Stöcker

Im Januar 1872 scheint ein neuer Pächter gefunden zu sein: Es ist der 49-jährige Ludwig Stöcker, der seit 1856 mit Justine Birkelbach verheiratet ist. Sie haben zwei gemeinsame Kinder: Ludwig, genannt Heinrich, 18 Jahre alt, und Wilhelm, 14 Jahre alt. Ludwig Stöcker ist gelernter Zimmermann und arbeitet als Platzmeister auf der benachbarten Stahlhütte, zeitweise ist er auch als Bergmann in der dazugehörenden Grube beschäftigt. Als gelernter Zimmerman übernimmt er auch Holzhauerarbeiten für den Freiherrn. Mit einer Pacht von 56 Talern und einer Laufzeit von fünf Jahren wird am 15. April 1872 der Pachtvertrag unterzeichnet.

Zu dem Haus gehörten laut einer Inventarliste von 1884 drei steinerne Kuhtröge und eine Wasserpumpe mit Bleirohr – diese Einrichtung gab es noch bis 1958!

Haus Stöcker mit Stallanbau im Jahre 1917. (Quelle: hist. Fotos von Martin Fick)

Heinrich Stöcker wird neuer Pächter   

Nach dem Ludwig Stöcker 1887 verstarb über nahm sein Sohn Heinrich mit seiner Ehefrau Karolin und den drei Kindern Emma, Ernst und Auguste das Haus. Mit im Haus wohnte zu dieser Zeit auch der ledige Bruder von Ludwig Stöcker, Wilhelm Stöcker. Dieser bewohnte ein Zimmer im Obergeschoss.

Heinrich Stöcker setzte sich 1900 dafür ein, den Kuhstall vergrößern zu dürfen. Dem Antrag wurde stattgegeben und der Stall wurde um eine Länge von 4,5 Metern und eine Breite von 2,5 Metern vergrößert. Die Maurer- und Erdarbeiten führte Heinrich Stöcker selbst aus.

Mit dem Einbau des Schornsteins im Jahr 1904 hat sich die damalige Küche enorm geändert: Die offene Herdstelle mit Rauchfang wurde überflüssig. Stattdessen wird sie durch eine Kochmaschine ersetzt die an den Schornstein angeschlossen ist. Die bis dahin hohe Küche erhält eine Zwischendecke. Im Obergeschoss darüber wird eine Räucherkammer eingerichtet.

Haus Stöcker um 1917. (Quelle: hist. Fotos von Anette Stöcker)

Die dritte Generation

Im Jahr 1921 zieht Heinrichs Sohn Ernst Stöcker mit seiner Frau Pauline Groos und den Kindern Luise und Herbert aus Littfeld nach Burgholdinghausen zurück. Ernst Stöcker arbeitete bei der Staatseisenbahn als Schaffner, später als Lokführer. Heinrich Stöcker bat zwar um Pachtüberschreibung auf seinen Sohn Ernst, dies geschah aber wohl erst ab 1931. Im Pachtvertrag ist vermerkt, dass sich das Haus in einem allgemein guten Zustand befindet – lediglich das 46 Jahre alte Dach war nicht mehr intakt.

Im Jahre 1933 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Allein für das Haus Stöcker waren 33 Reparaturen vorgemerkt. U.a. die Erneuerung hölzerner Türen, Fenster, Wände und Putz, das Anbringen einer äußeren Wandverkleidung aus Pfannenblech und mehr. Welche Arbeiten letztlich ausgeführt wurden ist unbekannt. Bereits ein Jahr später ergibt die Feuerschau, dass die Ofenrohrleitungen im Haus zu lang sind. Um eine gute Rauchabführung zu gewähren, wurde deshalb ein zweiter Schornstein in der Estrichkammer eingebaut. Ob im gleichen Zuge auch die Küche nach vorne verlegt wurde, ist ungewiss.

Mit dem Tod von Ernst Stöcker im Jahr 1948 übernahm die vierte Generation Stöcker 1949 das Haus. Hierzu mehr im dritten und letzten Teil der Bewohnergeschichte.

  • Baubescheid vom 28. Dezember 1934 über die Genehmigung des zweiten Schornsteines mit Zeichnung.

  • Baubescheid vom 28. Dezember 1934 über die Genehmigung des zweiten Schornsteines mit Zeichnung.

Kategorie: Geschichte

Schlagwort: